Pressemitteilungen

Licht an für Patientensicherheit

Nach Krisenmodus durch COVID-19 wieder Fokus auf Tools der Patientensicherheit legen

Wien, 08.09.2021 – Anlässlich des Internationalen Tages der Patientensicherheit, den die WHO jährlich am 17. September ausruft, beleuchteten die Österreichische Ärztekammer und die Österreichische Plattform Patientensicherheit im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam mit MTD-Austria und dem Wiener Gesundheitsverbund aktuelle Entwicklungen sowie geplante Aktivitäten zu Patienten- und Mitarbeitersicherheit im österreichischen Gesundheitswesen.

Dr. Brigitte Ettl
ehemalige Ärztliche Direktorin Klinik Hietzing, Präsidentin Österreichische Plattform Patientensicherheit
Copyright: © Rüdiger Ettl

Mag. Gabriele Jaksch
Präsidentin MTD-Austria, Dachverband der gehobenen medizinisch-technischen Berufe Österreichs
Copyright: © mtd austria

Mag.(FH) Egon Unterberger, MSc
Leiter Vorstandsressort Qualität, Prävention & Sicherheit Generaldirektion Wiener Gesundheitsverbund
Copyright: © Wiener Gesundheitsverbund

a.o. Univ.Prof. Dr. Thomas Szekeres
Präsident Österreichische Ärztekammer
Copyright: © ÖÄK / Bernhard Noll

Der heurige Tag der Patientensicherheit steht unter dem Motto „Licht an für Patientensicherheit: Setzen wir ein Zeichen“. Dazu Brigitte Ettl, ehemalige Ärztliche Direktorin der Klinik Hietzing und Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit: „Wir möchten Projekten und Initiativen, die Patienten- und Mitarbeitersicherheit stärken, eine Bühne geben und das Thema noch mehr in die Bevölkerung tragen.“

Aufschwung für Patient Empowerment und Hygiene

Die Österreichische Plattform Patientensicherheit, der die wesentlichsten Player des österreichischen Gesundheitswesens angehören, hat seit ihrer Gründung den Fokus auf vier zentrale Themenbereiche der Patienten- und Mitarbeitersicherheit gesetzt: Kommunikation, Medikationssicherheit, Hygiene und Patient Empowerment. Dass durch die Pandemie Themenbereiche wie Patient Empowerment und Hygiene einen starken Aufschwung erhalten haben, bewertet Ettl positiv. „Wir waren und sind durch COVID-19 im Krisenmodus. Allerdings dürfen wir nicht die restlichen Tools der Patientensicherheit vergessen und übersehen. Und wir brauchen eine klare, transparente Kommunikation, die für alle verständlich ist. Dies gilt für das Know-how rund um Patientensicherheit wie auch für die Erkenntnisse, die wir aus der Pandemie gewinnen konnten,“ fasst Ettl abschließend zusammen.

Patientensicherheit durch ausreichend ausgebildete Health Professionals

Expertinnen und Experten betonen, dass die Weltbevölkerung lernen müsse, mit COVID-19 zu leben. In den ersten Phasen der Pandemie war es eine der größten Herausforderungen, dass handelnde Personen mit qualitativer und quantitativer Schutzausrüstung versorgt wurden, als essenzielle Grundlage für die Patienten- und Mitarbeitersicherheit.

Gabriele Jaksch, Präsidentin von MTD-Austria, dem Dachverband aller gehobenen medizinisch-technischen Berufe: „Die COVID-19-Pandemie weist darauf hin, dass das österreichische Gesundheitssystem einem Verbesserungsbedarf unterliegt.“ Im Sinne der Patientensicherheit sei es wichtig, dass während einer Pandemie die gesamte Krankenversorgung sowie Präventionsmaßnahmen aufrecht erhalten bleiben. Grundlegende Voraussetzung dafür sei, dass ausreichend Health Professionals ausgebildet werden. Derzeit gibt es bei den MTD-Berufen eklatante Versorgungslücken im intra- und extramuralen Bereich.

COVID-19: Enorme Herausforderungen für Sicherheit

In der Pandemie ist das Thema Sicherheit ganz besonders ins Zentrum gerückt, sagt Egon Unterberger, Leiter des Vorstandsressorts Qualität, Prävention & Sicherheit in der Generaldirektion des Wiener Gesundheitsverbunds: „COVID-19 hat gerade im Wiener Gesundheitsverbund den Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmt. Denn die Wiener Städtischen Kliniken haben über 90 Prozent der aufgrund von COVID-19-Erkrankungen spitalspflichtigen Patientinnen und Patienten in der Bundeshauptstadt versorgt.“

Dabei galt es, einerseits ein völlig neues Krankheitsbild zu therapieren, andererseits musste die Versorgung aller anderen Patientinnen und Patienten nebst der COVID-19-Erkankung zu jeder Zeit sichergestellt werden. Das Thema Sicherheit bedeutete enorme Herausforderungen auf mehreren Ebenen: Gewährleistung der Sicherheit der COVID-19-Patientinnen und –Patienten, Schutz der Nicht-COVID-19-Patientinnen und -Patienten vor Infektion sowie Infektionsschutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die Funktionsfähigkeit des Spitalsbetriebs zu jeder Zeit aufrecht zu erhalten.

Schlechterer Gesundheitszustand trotz Sicherheitsmaßnahmen

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten sei während der gesamten Pandemie sowohl in den Spitälern als auch in den Ordinationen gewährleistet gewesen, betont Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer: „Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen, die wir auch stets kommuniziert haben, haben Patientinnen und Patienten ihre Gesundheit leider dennoch vernachlässigt, haben Vorsorgeuntersuchungen verschoben oder sind bei starken Symptomen dennoch nicht in die Ambulanzen gefahren“, erzählt er.

Verzögerte Erst-Diagnosen seien die Folge gewesen, zudem hätten die Maßnahmen gegen die Pandemie zu Gewichtszunahme geführt, einerseits durch Bewegungsmangel, aber auch durch veränderte Ernährungsgewohnheiten. Diese Gewichtszunahme, kombiniert mit selteneren Arztbesuchen, habe sich der Allgemeinzustand von Patientinnen und Patienten verschlechtert. Für Szekeres ist klar: In den präventiven Bereich gehört grundsätzlich viel mehr investiert – und die Kommunikation zwischen Ärzteschaft und Patientinnen und Patienten noch stärker in den Fokus gerückt: „Qualitätssicherung beginnt beim Gespräch mit dem Patienten“, sagt Szekeres. Das setzt aber voraus, die Zeit dafür zur Verfügung zu haben. Es müssten daher Kassenärzte auch für Beratungsgespräche entsprechend honoriert werden und in den Spitälern entsprechendes Personal vorhanden sein. Die demografische Entwicklung zeige eindeutig, dass der Bedarf nach medizinischem Personal steigt: steigende Lebenserwartung, medizinischer Fortschritt in Kombination mit einer älter werdenden Ärzteschaft zeige ganz klar: „Wir benötigen mehr Personal“, sagt er.

Aufruf an den Gesundheitsbereich, sich zu beteiligen

Alle Organisationen aus dem Gesundheitsbereich sind eingeladen, sich am Internationalen Tag der Patientensicherheit zu beteiligen. Eine interaktive Landkarte fasst die Aktivitäten zusammen. Gemeinsam mit dem Wiener Gesundheitsverbund und dem Institut für Ethik und Recht in der Medizin veranstaltet die Plattform am 08.10.2021 eine Tagung. Sofern aufgrund der COVID-19-Bestimmungen möglich, findet diese in der Klinik Floridsdorf, ansonsten als Hybrid-Event, unter dem Titel „Patientensicherheit geht uns alle an“ statt. Im Zuge dieser Tagung wird außerdem der Austrian Patient Safety Award 2021 vergeben.

Link Austrian Patient Safety Award:

https://www.plattformpatientensicherheit.at/patientensicherheit-apsa-2021.php »

Anmeldung zur Online-Tagung unter:
anna.fassl@plattformpatientensicherheit.at

Über die Plattform:

Die Österreichische Plattform Patientensicherheit ist ein unabhängiges, nationales Netzwerk. Diesem gehören die wesentlichen Einrichtungen und Expertinnen und Experten des österreichischen Gesundheitswesens an, die sich mit Patienten- und Mitarbeitersicherheit beschäftigen und diese durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information fördern.

www.plattformpatientensicherheit.at »
www.twitter.com/pps_patienten »

Rückfragen:

Mag. Bosko Skoko
bosko.skoko@kommunikationsmacherei.at
Tel: 0699/1 405 78 49

Mag. Sophie Niedenzu
Öffentlichkeitsarbeit
s.niedenzu@aerztekammer.at
Tel: 01/51406/3316