Presseinformationen

360° Patientensicherheit: Tagung am 07.10.2022

Plattform Patient:innensicherheit stellt WHO-Aktionsplan in den Fokus

Wien, 23.09.2022 – Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit lädt zur hybriden Tagung am 07.10.2022 vor Ort in der Klinik Floridsdorf oder online ein. Nationale und internationale Speaker:innen und Expert:innen des Gesundheitswesens bieten entlang des Aktionsplans der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Einblicke in Strategien zur Patientensicherheit.

Gemeinsam mit dem Wiener Gesundheitsverbund und dem Institut für Ethik und Recht in der Medizin veranstaltet die Plattform Patient:innensicherheit am 07.10.2022 eine Tagung unter dem Titel "360° Patientensicherheit". Im Fokus stehen die sieben Handlungsfelder des „WHO Global Patient Safety Action Plan 2021-2030“. Dazu Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patient:innensicherheit: „Die sieben Handlungsfelder des Global Patient Safety Action Plan zeigen auf, dass es keine singuläre Universallösung gibt, um Patientensicherheit zu gewährleisten. Nur ein ganzheitlicher Ansatz auf mehreren Ebenen kann dabei helfen, Fehler zu minimieren und in weiterer Folge gänzlich zu vermeiden, um Patientinnen und Patienten sowie das Gesundheitspersonal zu schützen.“

WHO: Sieben Ziele für ganzheitliche Patient:innensicherheit

Unerwünschte Ereignisse, schlechte Versorgung und die daraus resultierenden Schäden bei Patientinnen und Patienten sind weltweit eine Herausforderung für den Gesundheitsbereich. Der Großteil dieser Vorfälle ist vermeidbar. Unter ihnen leiden nicht nur die Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern auch das Gesundheitspersonal. Auch die finanziellen und wirtschaftlichen Kosten von Sicherheitslücken sind hoch. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Gesundheitssystem nimmt oft ab, wenn solche Vorfälle bekannt werden.

Der globale Aktionsplan bietet einen Handlungsrahmen durch sieben strategische Ziele, die jeweils in fünf weitere Strategiepunkte aufgebrochen wurden und so insgesamt 35 Handlungsfelder bieten. Jedes dieser Handlungsfelder wurde weiter in konkrete Maßnahmen für vier Schlüsselgruppen operationalisiert: Regierungen, Gesundheitseinrichtungen, Interessensträger und das WHO-Sekretariat.

Die sieben Handlungsfelder sind:

  1. Die Beseitigung vermeidbarer Schäden in den Fokus rücken und als Einsatzregel in der Gesundheitsversorgung etablieren
  2. Förderung hochzuverlässiger Gesundheitssysteme und Gesundheitsorganisationen, die Patient:innen täglich vor Schaden schützen
  3. Einsatz für die Sicherheit klinischer Prozesse
  4. Einbeziehung von Patient:innen und Familien auf dem Weg zu einer sichereren Gesundheitsversorgung
  5. Ausbildung, Qualifikation und Sicherheit von Gesundheitspersonal, um zur Gestaltung und Bereitstellung sicherer Pflegesysteme beizutragen
  6. Sicherstellen eines konstanten Informations- und Wissensflusses, zur Risikominimierung, Beseitigung vermeidbarer Schäden und Verbesserung der Versorgungssicherheit
  7. Entwicklung und Aufrechterhaltung sektorübergreifender und multinationaler Synergien, Partnerschaften und Solidarität, um die Patientensicherheit und die Qualität der Versorgung zu verbessern

Youngster Award erstmals vergeben

Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit lobt 2022 erstmals einen Preis für Studierende unterschiedlicher Disziplinen aus, der im Zuge der Tagung am 07.10.2022 verliehen wird. Studierende wurden eingeladen, Abschlussarbeiten einzureichen, in denen sie sich mit Patienten- und/oder Mitarbeitersicherheit beschäftigt hatten. Geschäftsführerin der Österreichischen Plattform Patient:innensicherheit Maria Kletecka-Pulker kommentiert den Youngster Award: „Patienten- und Mitarbeitersicherheit ist ein Thema, bei dem ein gemeinsames Tun und Denken unabdingbar ist. Im Rahmen unserer Tagung wollten wir deshalb auch der Forschung Beachtung schenken. Wir freuen uns, die Gewinnerinnen und Gewinner des ersten Youngster Awards zu verkünden.“

Fakten rund um die Tagung der Österreichischen Plattform Patient:innensicherheit:

  • Termin: Freitag, 07.10.2022, 08:00 - 17:00 Uhr
  • Ort: Hybrid-Veranstaltung (Klinik Floridsdorf & online)
  • Anmeldung unter: office@plattformpatientensicherheit.at
  • Bitte beachten: Die Teilnahme ist kostenlos. Für den Eintritt in die Klinik Floridsdorf benötigen Sie einen max. 48 Stunden alten PCR-Test und eine FFP2-Maske.

Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit bedankt sich bei Hauptsponsor Philips für die Unterstützung.

Über die Plattform:

Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit ist ein unabhängiges, nationales Netzwerk. Diesem gehören die wesentlichen Einrichtungen und Expert:innen des österreichischen Gesundheitswesens an, die sich mit Patient:innen- und Mitarbeiter:innen-Sicherheit beschäftigen. Im Zentrum der Arbeit steht die Förderung der Patient:innen- und Mitarbeiter:innen-Sicherheit durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information.

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Rückfragen:

Mag. Bosko Skoko
E-Mail: bosko.skoko@kommunikationsmacherei.at
Mobil: 0699/1 405 78 49

Internationaler Tag der Patient:innensicherheit

„Licht an für Patient:innensicherheit“: Fokus auf sichere Medikation

Wien, 16.09.2022 – Morgen, am 17.09.2022, findet der diesjährige Internationale Tag der Patient:innensicherheit statt. Die Plattform Patient:innensicherheit setzte sich dieses Jahr als Ziel, die Aufmerksamkeit für Patient:innensicherheit im Allgemeinen und Medikationssicherheit im Speziellen zu steigern. Die WHO konzentriert sich 2022 anlässlich dieses Tages auf Medikationssicherheit. Auch heuer wird die Initiative „Licht an für Patient:innensicherheit“ wieder von Beleuchtungsaktionen begleitet, bei denen Gebäude orange erleuchtet werden.

Unsichere Medikationspraktiken und Medikationsfehler sind eine der Hauptursachen für vermeidbare Schäden im Gesundheitswesen auf der ganzen Welt. Medikationsfehler treten auf, wenn schwache Medikationssysteme und menschliche Faktoren wie Müdigkeit, schlechte Umweltbedingungen oder Personalmangel die Verschreibungs-, Transkriptions-, Abgabe-, Verabreichungs- und Überwachungspraktiken beeinflussen, was dann zu schweren Patient:innenschäden, Behinderungen und sogar zum Tod führen kann. Die anhaltende COVID-19-Pandemie hat das Risiko von Medikationsfehlern und damit verbundenen medikamentenbedingten Schäden erheblich verschärft. Angesichts dieser enormen Schadenslast wurde "Sichere Medikation" von der WHO als Thema für den Welttag der Patient:innensicherheit 2022 ausgewählt.

Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit hat dazu zwei Projekte umgesetzt:

AMEDISS

Die Bedeutung der Medikationssicherheit führte dazu, dass die Österreichische Plattform für Patient:innensicherheit eine Steuerungsgruppe „Medikationssicherheit“ einsetzte und eine Arbeitsgruppe zur Umsetzung von Verbesserungsstrategien zur Medikationssicherheit gründete: „AMEDISS“ (Austrian Medication Safety Strategy). Durch AMEDISS soll Spitälern die Selbsteinschätzung ihrer Medikationspraxis sowie das Erkennen von Bereichen mit Verbesserungspotenzial ermöglicht werden, um in Folge gezielt Verbesserungsstrategien einleiten zu können. AMEDISS berücksichtigt die aktuelle Version (2011) des Medication Safety Self Assessment Questionnaire des ISMP (Institute for Safe Medication Practice) sowie bisherige Arbeiten wie das österreichische MEDSAFE-Modell, das mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit entwickelt und in vier Pilotspitälern getestet wurde.

Medikamentenliste

Bei medikamentöser Behandlung ist es wichtig, dass Patientinnen und Patienten über die Medikamente, die sie erhalten, bestmöglich informiert sind. Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit stellt eine Anleitung und eine Medikamentenliste zur Verfügung, um Patientinnen und Patienten dabei zu unterstützen. Das Führen einer Medikamentenliste erleichtert den Überblick über die einzunehmenden Medikamente zu behalten.

Licht an für Patient:innensicherheit

Auch heuer möchte die Plattform Patient:innensicherheit auch praktisch ins richtige Licht rücken und öffentliche Gebäude, Gesundheitseinrichtungen oder Sehenswürdigkeiten orange beleuchten. Damit soll die Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema gesteigert werden. Dazu Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patient:innensicherheit: „Wir möchten Projekten und Initiativen, die Patient:innensicherheit stärken, eine Bühne geben und das Thema noch mehr in die Bevölkerung tragen.“
Eine interaktive Landkarte bewirbt wieder die lokalen und regionalen Aktivitäten.

Fokus: Patient:innensicherheit

Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit, der die wesentlichsten Player des österreichischen Gesundheitswesens angehören, hat seit ihrer Gründung den Fokus auf vier zentrale Themenbereiche der Patient:innen- und Mitarbeiter:innensicherheit gesetzt:
Kommunikation, Medikationssicherheit, Hygiene und Patient Empowerment.

Geschäftsführerin der Österreichischen Plattform Patient:innensicherheit Maria Kletecka-Pulker fasst zusammen: „Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit initiiert und unterstützt Maßnahmen, welche die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, aber auch aller im Gesundheitswesen Mitarbeitenden stärken. In Richtung Bevölkerung ist es uns ein Anliegen, die Gesundheitskompetenz zu stärken und zu informieren.“

Wichtig ist vor allem, dass Patient:innensicherheit tatsächlich gelebt wird – und zwar auf allen Ebenen. Um Sicherheitskultur umzusetzen, bedarf es des täglichen Engagements aller im Gesundheitswesen.

Über die Plattform:

Die Österreichische Plattform Patient:innensicherheit ist ein unabhängiges, nationales Netzwerk. Diesem gehören die wesentlichen Einrichtungen und Expert:innen des österreichischen Gesundheitswesens an, die sich mit Patient:innen- und Mitarbeiter:innen-Sicherheit beschäftigen. Im Zentrum der Arbeit steht die Förderung der Patient:innen- und Mitarbeiter:innen-Sicherheit durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information.

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Rückfragen:

Mag. Bosko Skoko
E-Mail: bosko.skoko@kommunikationsmacherei.at
Mobil: 0699/1 405 78 49

Second Victim:
Traumatisierte im Gesundheitswesen unterstützen

Aktionstag thematisiert durch COVID-19 verstärktes Phänomen

Wien, 12.05.2022 – Der Begriff „Second Victim“ beschreibt eine an der Versorgung von Patientinnen und Patienten beteiligte Person, die durch eine außergewöhnliche Situation in der Behandlung selbst traumatisiert wird. Dieses in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte, aber weit verbreitete Phänomen wird durch die COVID-19-Pandemie stark verschärft und birgt das Risiko, Gesundheitssysteme durch eine ausgeprägte psychische Überlastung der Behandelnden zusätzlich unter Druck zu setzen. Dies stellt sowohl für die Patientensicherheit als auch für die Sicherheit der Mitarbeitenden eine ernstzunehmende Gefahr dar. „Nur durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung schaffen wir es, die Sicherung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens zu erreichen“, so Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform für Patientensicherheit.

Um auf dieses Phänomen und Entlastungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen, organisierten die Österreichische Plattform Patientensicherheit und der Verein Second Victim einen Aktionstag in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien, dem Wiener Gesundheitsverbund und dem Wiener Städtische Versicherungsverein. Ziel des Aktionstages war es, einerseits für das Phänomen zu sensibilisieren und Bewusstsein zu schaffen. Andererseits wurden konkrete Projekte vor den Vorhang geholt und Good-Practice-Beispiele sowie praktische Hilfestellungen aufgezeigt. „Unser Fokus liegt darauf, mit der Ist-Situation besser zurechtzukommen. Es gibt Maßnahmen, die leicht umsetzbar sind und für Second Victims eine enorme Entlastung darstellen würden“, so Eva Potura, Vorsitzende des Vorstands des Vereins Second Victim.

Gravierende Belastung für Second Victims

Second Victims leiden an Schlaflosigkeit, Depressionen oder sogar posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie verlieren an Selbstvertrauen und haben Schuldgefühle sowie Flashbacks, in denen sie die traumatisierenden Ereignisse wieder erleben. Häufig führen die Symptome dazu, dass Second Victims vermehrt Alkohol sowie Medikamente missbräuchlich konsumieren. Die Auswirkungen können so extrem sein, dass sie sogar zum Suizid führen. Dass sich viele fragen, ob das überhaupt der richtige Beruf für sie ist, stellt für das Gesundheitssystem eine gravierende Entwicklung dar.

Unterstützung durch Hilfsangebote

Prophylaktisch können regelmäßige Zeiten für gemeinsame Pausen und informelle Meetings sowie Schulungen und Fortbildungen bezüglich Stress- und Resilienztrainings für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Unterstützung sein. Medizinisches Personal sollte über das Phänomen informiert werden und wissen, wann sie Hilfe in Anspruch nehmen können. Führungskräfte müssen ebenso aufgeklärt werden und bemüht sein, eine Vertrauenskultur zu schaffen.

Entscheidend für Second Victims ist, dass sie sofort akute Hilfe erhalten. Geschulte Psychologinnen und Psychologen, die wöchentlich Stationen besuchen, könnten die rasche Unterstützung bieten, die viele in der Situation brauchen. Kollegiale Hilfe (KOHI) und Peer Systeme sind bereits in einigen Krankenhäusern etabliert und ermöglichen eine Entlastung durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Eine weitere Unterstützung stellen akute Telefonhotlines dar. Eine langfristige und arbeitgeberunabhängige Hilfe wird von Beraterinnen und Beratern gewährleistet, die Second Victims einen sicheren Ort bieten, um anonym über ihre Situation zu sprechen.

Aktionstag zeigt Auswege auf

Der Aktionstag „Second Victim“ fand am Mittwoch, dem 11. Mai 2022 im Van Swieten Saal der Medizinischen Universität Wien statt. Die Hybridveranstaltung konnte vor Ort sowie online mitverfolgt werden und wurde aufgezeichnet. Nach Begrüßungsworten von Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, und Evelyn Kölldorfer-Leitgeb vom Wiener Gesundheitsverbund gaben zahlreiche Expertinnen und Experten Tipps im Umgang mit Second Victims. Zu den Themen zählten unter anderem psychologische und kollegiale Hilfe und Unterstützung, Stress- und Krisenmanagement sowie die Stärkung von Körper, Geist und Seele. Daniel Landau, Initiator von #yeswecare, gab Betroffenen eine Stimme, indem er aus dem Buch „Don’t let me down“ von Günter Valda vorlas. Daraufhin fand die Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten aus Gesundheit und Politik statt.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung kann online unter folgendem Link nachgesehen werden: www.plattformpatientensicherheit.at/bildung-2022.php »

Über uns:

Die Österreichische Plattform Patientensicherheit ist ein unabhängiges, nationales Netzwerk. Diesem gehören die wesentlichen Einrichtungen und ExpertInnen des österreichischen Gesundheitswesens an, die sich mit PatientInnen- und MitarbeiterInnen-Sicherheit beschäftigen. Im Zentrum der Arbeit steht die Förderung der PatientInnen- und MitarbeiterInnen-Sicherheit durch Forschung, Koordination von Projekten, Vernetzung und Information.

plattformpatientensicherheit.at »
twitter.com/pps_patienten »

„Second Victim – Verein zur Unterstützung von medizinischem Personal nach kritischen Ereignissen“ hat den Zweck, medizinisches Personal in Folge besonderer Belastungssituationen und belastender Ereignisse zu unterstützen.

www.secondvictim.at »
twitter.com/SecondvictimAT »

Rückfragen:

Mag. Bosko Skoko
E-Mail: bosko.skoko@kommunikationsmacherei.at
Mobil: 0699/1 405 78 49

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Die Pressefotos unter "Impressionen" stehen Ihnen honorarfrei bei Angabe des Bildnachweises: Fotos by MedUni Wien © Marko Kovic zur Verfügung.

Impressionen:

Fotos by MedUni Wien © Marko Kovic

Sicherheit von Gesundheitsdaten auf dem Prüfstand

Daten sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Wie aber steht es um die Sicherheit der Daten von österreichischen Patient*innen – also den Schutz vor Verlust, Zerstörung und Missbrauch? Mittels einer Befragung und eines White-Hat-Hack-Experimentes sind die Österreichische Plattform Patientensicherheit und das KFV dieser Frage auf den Grund gegangen. Trotz des generell hohen Datensicherheitsniveaus konnten dabei häufig vorkommende Schwachstellen identifiziert werden. Höhere Passwortsicherheit, regelmäßige Backups und Softwareupdates könnten in Verbindung mit der Sensibilisierung Mitarbeitender maßgeblich zur Optimierung der Datensicherheit im Gesundheitssektor beitragen.

Wien, 30. März 2022. Die COVID-19 Pandemie hat Gesundheitsdienstleister in aller Welt mit unvorhersehbaren Belastungen konfrontiert und die Menge an Gesundheitsdaten nicht nur vervielfacht, sondern auch in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt. Kriminelle witterten darin die Chance auf lukrative Geschäfte. So stellte die Internationale Kriminalpolizeiliche Organisation (INTERPOL) seit Beginn der Pandemie eine deutliche Zunahme der Ransomware-Attacken auf Krankenhäuser und andere Gesundheitsdienstleister fest. „Die Gefahr von Cyber-Angriffen zieht auch an Österreichs Gesundheitseinrichtungen nicht spurlos vorüber. Gerade in diesem hochsensiblen Bereich muss alles getan werden, um die Sicherheit der Daten und somit der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten“, ist Dr. Maria Kletečka-Pulker, Geschäftsführerin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, überzeugt. Denn von Cyberangriffen betroffene Gesundheitsdienstleister zahlen mitunter einen hohen Preis: Sie werden nicht nur finanziell geschädigt, sondern auch an ihrer medizinischen und pflegerischen Arbeit gehindert.

Datensicherheit auf dem Prüfstand

Die Plattform Patientensicherheit und das KFV sind der Frage auf den Grund gegangen, wie es um die Sicherheit von Gesundheitsdaten in Österreich aktuell steht. Das Ergebnis der umfassenden Analyse bestehend aus Expert*inneninterviews, Befragung und White-Hat-Hack ergibt, dass die Sicherheit von Patient*innen-Daten in Österreich bereits auf einem erfreulich hohen Niveau rangiert. Im Zuge einer auf Selbstselektion basierenden Befragung unter Gesundheitsdienstleistern gaben 7 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr tatsächlich einen Cyberangriff erlebt zu haben – in allen Fällen konnte der Angriff durch bestehende Sicherheitsmaßnahmen abgewehrt werden. Jedoch wurden im Zuge der Befragung auch potenzielle Schwachstellen offengelegt: So nutzt mehr als die Hälfte (52%) der Befragten Endgeräte am Arbeitsplatz auch für private Zwecke, die überwiegende Mehrheit der Befragten verwendet zudem nur eine einfache Passwortabfrage (63%), um die Endgeräte vor Fremdzugriffen zu schützen. Bei mehr als zwei Drittel aller befragten Dienstleister (69%) kommen idente Passwörter auf mehr als einem Gerät zum Einsatz. „An Geräten, die zu Verarbeitung sensibler Daten genutzt werden, sollte private Nutzung die Ausnahme, die Zwei-Faktor-Authentisierung hingegen Standard sein – sie ist eine ebenso einfache wie effektive Möglichkeit zur Erhöhung der Datensicherheit“, so Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereiches Eigentumsschutz im KFV. Sinnvoll ist auch der Einsatz eines Systems unterschiedlicher Berechtigungsstufen für Mitarbeitende, so dass jede Person nur die Zugriffsrechte hat, die sie unbedingt benötigt. Auf diese Weise wird das Risiko, dass ungeschultes Personal mit Datensätzen hantiert, die für die Arbeit nicht notwendig sind, minimiert.

Gesundheitsrisiko Datenverfügbarkeit

Während zumindest zwei Drittel der Befragten regelmäßige Updates (69%) und Spamschutz (66%) einsetzen, sieht es bei anderen Schutzmaßnahmen schon spärlicher aus: Nicht einmal jeder zweite befragte Gesundheitsdienstleister (48%) führt regelmäßig externe Datenbackups durch. Diese sind jedoch essenziell, um im Falle eines Ransomware-Angriffs den Betrieb aufrecht zu erhalten. „Sowohl in der Diagnostik als auch bei der Behandlung spielen computergestützte Systeme heutzutage eine tragende Rolle. Wenn medizinisches Personal Maßnahmen einleiten muss und dazu Informationen über den Zustand einer zu behandelnden Person benötigt, kann jede Verzögerung oder Unterbrechung gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen“, gibt Anna Teufel, Leiterin der Geschäftsstelle der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, zu bedenken. Vor allem im niedergelassenen Gesundheitsbereich ist das Schutzniveau noch ausbaufähig. „In der Regel verfügen nur große Dienstleister über Protokolle für den Umgang mit Störfällen oder Cyberattacken. Ein solches Protokoll kann jedoch im Falle eines Angriffs die interne Reaktionszeit und den entstandenen Schaden auf ein Minimum reduzieren“, so Kaltenegger. IT-Dienstleister wiederum sind gefordert Lösungen zu entwickeln, die auch für kleine Dienstleister leist- und anwendbar sind.

Datensicherheit und der Faktor Mensch

Im Rahmen eines sogenannten White-Hat-Hacks wurden die Informationssysteme eines Gesundheitsdienstleisters mit dessen Einverständnis einem gezielten IT-Sicherheitstest unterzogen: Fehlende Softwareupdates, die Verwendung von Standardpasswörtern und mangelhaft geschützte Administratorenrechte waren nur einige der Schwachstellen, die dabei offengelegt wurden. „Besonders deutlich wurde dabei, welche wesentliche Rolle der Faktor Mensch im Bereich der Datensicherheit spielt, denn: Im Praxistest führte das aufmerksame Verhalten der Mitarbeitenden in mehreren Fällen zum Misslingen der Angriffe“, so Kaltenegger. Wenn es um Fragen der IT-Sicherheit geht, sind gut geschulte und sensibilisierte Mitarbeitende mindestens genauso wichtig wie die Absicherung der technischen Infrastruktur. Das gilt für alle Unternehmen – ganz besonders jedoch für den Gesundheitsbereich, wo die Arbeitsbelastung oft überdurchschnittlich hoch und die Daten ganz besonders schützenswert sind.

Rückfragehinweis:

Pressestelle KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit)
Tel.: 05-77077-1 919 | E-Mail: pr@kfv.at | www.kfv.at

Pressefotos stehen Ihnen unter dem folgenden Link zum Download zur Verfügung:
https://www.apa-fotoservice.at/galerie/28164
Abdruck honorarfrei. Bildnachweis: © KFV/APA-Fotoservice/Juhasz

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Impressionen:

Videoaufzeichnung der Pressekonferenz: