Aktuelle Veranstaltungen

Aktionstag Second Victim

Stärkung der Resilienz von Behandelnden

Aktionstag thematisiert durch COVID-19 verstärktes Phänomen

Der Begriff „Second Victim“ beschreibt eine an der Versorgung von Patientinnen und Patienten beteiligte Person, die durch eine außergewöhnliche Situation in der Behandlung selbst traumatisiert wird. Dieses in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannte, aber weit verbreitete Phänomen wird durch die COVID-19-Pandemie stark verschärft und birgt das Risiko, Gesundheitssysteme durch eine ausgeprägte psychische Überlastung der Behandelnden zusätzlich unter Druck zu setzen. Dies stellt sowohl für die Patientensicherheit als auch für die Sicherheit der Mitarbeitenden eine ernstzunehmende Gefahr dar. „Nur durch Aufklärung und Bewusstseinsbildung schaffen wir es, die Sicherung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens zu erreichen“, so Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform für Patientensicherheit.

Um auf dieses Phänomen und Entlastungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen, organisierten die Österreichische Plattform Patientensicherheit und der Verein Second Victim am 11. Mai 2022 einen Aktionstag in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien, dem Wiener Gesundheitsverbund und dem Wiener Städtische Versicherungsverein. Ziel des Aktionstages war es, einerseits für das Phänomen zu sensibilisieren und Bewusstsein zu schaffen. Andererseits wurden konkrete Projekte vor den Vorhang geholt und Good-Practice-Beispiele sowie praktische Hilfestellungen aufgezeigt. „Unser Fokus liegt darauf, mit der Ist-Situation besser zurechtzukommen. Es gibt Maßnahmen, die leicht umsetzbar sind und für Second Victims eine enorme Entlastung darstellen würden“, so Eva Potura, Vorsitzende des Vorstands des Vereins Second Victim.

Gravierende Belastung für Second Victims

Second Victims leiden an Schlaflosigkeit, Depressionen oder sogar posttraumatischen Belastungsstörungen. Sie verlieren an Selbstvertrauen und haben Schuldgefühle sowie Flashbacks, in denen sie die traumatisierenden Ereignisse wieder erleben. Häufig führen die Symptome dazu, dass Second Victims vermehrt Alkohol sowie Medikamente missbräuchlich konsumieren. Die Auswirkungen können so extrem sein, dass sie sogar zum Suizid führen. Dass sich viele fragen, ob das überhaupt der richtige Beruf für sie ist, stellt für das Gesundheitssystem eine gravierende Entwicklung dar.

Unterstützung durch Hilfsangebote

Prophylaktisch können regelmäßige Zeiten für gemeinsame Pausen und informelle Meetings sowie Schulungen und Fortbildungen bezüglich Stress- und Resilienztrainings für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große Unterstützung sein. Medizinisches Personal sollte über das Phänomen informiert werden und wissen, wann sie Hilfe in Anspruch nehmen können. Führungskräfte müssen ebenso aufgeklärt werden und bemüht sein, eine Vertrauenskultur zu schaffen.

Entscheidend für Second Victims ist, dass sie sofort akute Hilfe erhalten. Geschulte Psychologinnen und Psychologen, die wöchentlich Stationen besuchen, könnten die rasche Unterstützung bieten, die viele in der Situation brauchen. Kollegiale Hilfe (KOHI) und Peer Systeme sind bereits in einigen Krankenhäusern etabliert und ermöglichen eine Entlastung durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen. Eine weitere Unterstützung stellen akute Telefonhotlines dar. Eine langfristige und arbeitgeberunabhängige Hilfe wird von Beraterinnen und Beratern gewährleistet, die Second Victims einen sicheren Ort bieten, um anonym über ihre Situation zu sprechen.

Aktionstag zeigt Auswege auf

Der Aktionstag „Second Victim“ fand am Mittwoch, dem 11. Mai 2022 im Van Swieten Saal der Medizinischen Universität Wien statt. Die Hybridveranstaltung konnte vor Ort sowie online mitverfolgt werden und wurde aufgezeichnet. Nach Begrüßungsworten von Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, und Evelyn Kölldorfer-Leitgeb vom Wiener Gesundheitsverbund gaben zahlreiche Expertinnen und Experten Tipps im Umgang mit Second Victims. Zu den Themen zählten unter anderem psychologische und kollegiale Hilfe und Unterstützung, Stress- und Krisenmanagement sowie die Stärkung von Körper, Geist und Seele. Daniel Landau, Initiator von #yeswecare, gab Betroffenen eine Stimme, indem er aus dem Buch „Don’t let me down“ von Günter Valda vorlas. Daraufhin fand die Podiumsdiskussion mit Expertinnen und Experten aus Gesundheit und Politik statt.

Videoaufzeichnung

Präsentationen zum Nachlesen

Patrick Mocker, Stresstrainer
Stressmanagement in medizinischen Akutsituationen
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Dr. Angelika Amanshauser, Gesundheitsmediation und Intensivberatung
Stärkung von Körper, Geist und Seele – Tipps für den Alltag
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Dr. Angelika Flynn, MSc, Wiener Gesundheitsverbund, Klinik Hietzing
Kollegiale Hilfe (KoHi)
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Karin Figl und MMag. Astrid Schlesier, Wiener Gesundheitsverbund, Klinik Floridsdorf
Kollegiale Unterstützung an der Klinik Floridsdorf bei akuten Krisen
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Dr. Manuela Sax, tirol kliniken
Initiative wecare – Psychosoziale Krisenbegleitung in den tirol kliniken
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Mag. Elisabeth Gerlich-Kretzer, Wiener Gesundheitsverbund, Psychologische Beratungsstelle
Psychologische Hilfe in Krisen für alle MitarbeiterInnen des Wiener Gesundheitsverbunds
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PhDr. Dr. Cornel Binder-Krieglstein, Notfallpsychologe diverser Einsatzorganisationen in Österreich
Kollegenhilfe – ist das Peersystem noch zeitgemäß?
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Dr. Caroline Kunz, Praxis für integrative Medizin und Psychotherapie
Management akuter und chronischer Stresssituationen im Gesundheitsberuf mit Praxisbeispielen
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Impressionen

Fotos by MedUni Wien © Marko Kovic

Autonomie am Ende des Lebens

Rechtliche und ethische Aspekte der Sterbeverfügung

Mit 1.1.2022 ist das Sterbeverfügungsgesetz in Kraft getreten, welches erstmals in Österreich die Beihilfe zur Selbsttötung zulässt und die Voraussetzungen dazu regelt.

Diese neue Regelung stellt vor allem Krankenanstalten und Pflege- und Sozialeinrichtungen vor eine große Herausforderung sowie ÄrztInnen und JuristInnen, die in den Errichtungsprozess eingebunden sind.

Es gibt bereits erste Personen, die die Beihilfe zur Selbsttötung in Anspruch nehmen möchten. Bei dieser Tagung sollen insbesondere Fragen im Zusammenhang mit der Errichtung, aber auch der Rolle der Institutionen beleuchtet werden, in denen Personen leben oder sich aufhalten, die die Selbsttötung mittels Beihilfe für sich in Anspruch nehmen wollen.