15.03.12 - „Patienten immer stärker verunsichert": Neue Initiative für mehr Sicherheit im Krankenhaus
Mangelnde Kommunikation zwischen Patienten und Krankenhausmitarbeitern führt oft zu Ängsten und Unsicherheit bei den Patienten. Diese Verunsicherungen könnten in vielen Fällen jedoch durch einige einfache Schritte vermieden werden. Die Initiative "Sicher ist sicher" der Plattform für Patientensicherheit spricht die Patienten direkt an und soll für mehr Sicherheit bei Krankenhausaufenthalten sorgen. Wichtig ist, dass die Patienten selbst im Krankenhausalltag aktiv werden. So soll die Kommunikation zwischen Krankenhauspersonal und Patienten gefördert und verbessert werden, was letztendlich der Genesung zu Gute kommt. Dr. Peter Gausmann, Geschäftsführer der GRB, Gesellschaft für Risiko-Beratung mbH:
"Der Folder trägt den Titel "sicher ist sicher". Und der Name ist Programm. Wir haben ein Problem in unserem Gesundheitswesen. Einerseits sind die Abläufe immer sicherer geworden, das zeigt sich auch an der Reduktion von ernsthaften, schwerwiegenden Haftungsfällen. Das ist nun mein Hintergrund. Und auf der anderen Seite fühlen sich die Patienten immer stärker verunsichert. Wir haben also ein immer besseres Gesundheitssystem, aber immer mehr Ängste bei Patienten. Das hat vielfältige Ursachen. Und die Broschüre dient eben auch dem Zweck, dass sich der Patient auch etwas traut. „Sicher ist sicher" heißt, du bist in einem sicheren System, aber du kannst selber mithelfen dieses System zu verbessern in dem du uns Behandler fragst, unsere Arbeit hinterfragst. Wir geben dir eine gewisse Vorgabe, welche Themen in deinem Beobachtungsradius liegen. „Sicher ist sicher" ist somit eine Unterstützung. Verantwortlich für die Sicherheit sind - und werden bleiben - die Akteure im Gesundheitswesen, aber der Patient kann seinen Anteil leisten."
Um Patienten direkt im Krankenhaus auf Ihre mögliche Mithilfe aufmerksam zu machen und die Hemmschwelle Fragen zu stellen zu senken, wurde der Folder "Sicher ist sicher" ins Leben gerufen. Gegliedert in vier kurze und knackige Bereiche, spricht der Folder die wichtigsten Themen wie Information, Hygiene, Medikamente, Gefahrenvermeidung und abschließend Entlassungsinformation an. Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs, über den Folder: "Ein erster Punkt geht in die Richtung, dass Patienten aktiviert werden sollen Fragen zu stellen. Und dass die Informationen, die an die Patienten gehen auch wirklich verständlich für die Patienten sind. Ein zweiter Punkt betrifft einen sehr wichtigen Bereich in den Krankenhäusern, den Bereich Hygiene. Wo also Patienten also auch in die Hygieneüberlegungen einbezogen werden. Der dritte Bereich betrifft wiederum einen Hotspot in der Patientensicherheit, nämlich Medikamentensicherheit. Dann gibt es noch einen Bereich, der allgemeine Gefahrenvermeidung auch entsprechend skizziert. Und zuletzt noch abgerundet sind diese Punkte durch eine Checkliste für die Patienten, wo sie checken können, ob die Entlassungsinformation, die sie bekommen haben, wirklich qualifiziert und gut ist. Das ist immer ein ganz ein kritischer Faktor im Bereich des Krankenhauses, nämlich das Übergehen von einem System ins Andere."
Ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der FH St. Pölten wurde bereits im Krankenhaus Amstetten so wie im Krankenhaus Lilienfeld gestartet. Die Evaluierung des Projekts zeigt, dass Patienten den Folder positiv annehmen. 75 Prozent der Patienten beurteilen den Folder hinsichtlich Verständlichkeit, Anwendbarkeit als sehr gut bzw. gut. und glauben an eine Vermeidung von Fehlern, wenn die empfohlenen Punkte im Folder angewendet werden. In Folge sollen Krankenhäuser die Grundstruktur des Folders adaptieren und auf ihren jeweiligen Bereich abstimmen und layouten. Dr. Bachinger zum Pilotprojekt:
"Es war eben auch die Frage, können wir mit diesem Folder Patienten sensibilisieren und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sensibilisieren. Diese Evaluierung hat so stattgefunden, dass wir bereits in zwei Krankenanstalten der NÖ Landesholding - in einer größeren, nämlich im Krankenhaus Amstetten und in einer kleineren, im Krankenhaus Lilienfeld - diesen Folder auch wirklich an jeweils zwei Abteilungen im Rahmen eines Pilotprojektes der Fachhochschule St. Pölten mit den Studentinnen und Studenten entsprechend evaluiert haben."
Gesprächspartner (alle Fotos auf www.puplishfactory.at: © R. Ettl )

Univ.- Prof. Dkfm. Dr. Eugen Hauke, Institut für Krankenhausorganisation, Karl Landsteiner Gesellschaft, Wien
- Hörprobe: Wer beherrscht das Gesundheitssytem
- Buchvorstellung: Patientenperspektive: Holzer, E.; Offermanns, G.; Hauke, E.
Hofrat Prof. Dr. Robert Fischer, Institut für Sozialmedizin, Medizinische Universität Wien
- Hörprobe: Wird es zu Problemen kommen können?
Dr. Peter Gausmann, Geschäftsführer, GRB Gesellschaft für Risiko- Beratung mbH, Deutschland
Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der Patientenanwälte Österreichs
- Hörprobe 1: Wie ist der Folder gegliedert?
- Hörprobe 2: Wie hat Evaluierung stattgefunden?
- Hörprobe 3: Wie wurde Patientensicherheit bis jetzt diskutiert?